Alles wichtige über Rezyklate
Kunststoffrezyklat: Es mag ein etwas ungelenker Begriff sein und ein technischer dazu. Aber hinter ihm verbirgt sich ein bedeutender Beitrag für Mensch und Natur. Und wir werden sicher noch viel von ihm hören. Denn Kunststoffrezyklate sind recycelte Rohstoffe. Sie sind es, die Produkten ein neues Leben schenken.

Die Shampooflasche, der Joghurtbecher, die Zahnpastatube: Viele Verpackungen aus Kunststoff werden wiedergeboren. Nach ihrem ersten Leben gelangen sie in die Gelbe Tonne oder in den Gelben Sack. Und genau dort beginnt ihr neues Leben. Erst werden sie gesammelt, dann sortiert und daraufhin zu verwertbarem Kunststoffgranulat verarbeitet – zu sogenannten Rezyklaten, recycelten Kunststoffen. Diese Recyclingrohstoffe sind das Material, aus denen Produktionsbetriebe neue Produkte wie Haushaltsartikel, Autoteile, Rohre, Transportboxen oder ähnliche Artikel herstellen.
Von PET bis HDPE: Was bedeuten die Abkürzungen?
PE, PET oder PP: Viele kennen diese Abkürzungen. Doch was bedeuten sie? Es gibt verschiedene Arten von Kunststoffen – für Verpackungen werden nur wenige Sorten eingesetzt.
Jede Tonne Recyclingkunststoff, die anstelle vergleichbarer Neuware zum Einsatz kommt, vermeidet bis zu 3,2 Tonnen klimarelevanter Treibhausgase.
Unabhängig davon, welcher Kunststoff recycelt wird: Die Wiederverwertung von PE, HDPE und Co. hat eine bedeutende Rolle für den Klimaschutz. Denn der Einsatz von Recyclingkunststoffen reduziert den Ausstoß von CO2, spart Primärrohstoffe und schont damit die Umwelt. Produzieren Hersteller ihre Ware aus recycelten Kunststoffen, kommen sie ohne den sonst eminent wichtigen Rohstoff Erdöl aus. Sie benötigen auch weniger Energie als bei der Produktion von Neuware. Und: der CO2-Ausstoß wird reduziert.
Das Verpackungsrecht gibt Kunststoffrezyklat Rückenwind
Auch wenn einige Unternehmen bereits nachhaltig arbeiten und Recyclingrohstoffe in ihren Produkten und Verpackungen verwenden, wird in den kommenden Jahren noch mehr Rezyklat zum Einsatz kommen müssen. Das ist gesetzlich festgelegt: Fast zwei Drittel aller Kunststoffverpackungen (63 %) müssen bereits „werkstofflich“ in Form von Kunststoffrezyklat recycelt werden. Ab 2028 steigt dieser Anteil auf 70 %, ab 2030 auf 75 %.
Für die erhöhten Recyclingquoten müssen immer mehr Kunststoffverpackungen über die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack gesammelt, sortiert und recycelt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das VerpackDG in seinen §26 und §26a wirtschaftliche Anreize, d.h. Hersteller müssen weniger Entgelte für die Entsorgung und das Recycling einer Verpackung bezahlen, wenn sie bei der Produktion stärker auf wiederverwertbare Kunststoffe setzen und/oder Rezyklat in ihren Verpackungen nutzen. Ab 2030 schreibt Art. 7 PPWR sogar zwingende bestimmte Mindest-Anteile von Rezyklat für Kunststoffverpackungen vor.
Für bestimmte Verpackungen gelten diese Vorgaben nicht (z.B. für kontaktempfindliche Kunststoffverpackungen von Medizinprodukten oder kompostierbare Kunststoffverpackungen).
Kunststoffverpackung
Kontaktempfindliche Verpackungen mit PET als Hauptbestandteil (ausgenommen Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff)
Kontaktempfindliche Verpackungen aus anderen Kunststoffmaterialien als PET (ausgenommen Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff)
Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff
Andere Kunststoffverpackungen
Durchschnittlicher Mindest-Rezyklatanteil je Fertigungsbetrieb ab 2030
30 %
10 %
30 %
35 %
Durchschnittlicher Mindest-Rezyklatanteil je Fertigungsbetrieb ab 2040
50 %
25 %
65 %
65 %
Fast alles wird in Europa recycelt
Mehr als 97 Prozent der Kunststoffabfälle aus der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack werden in Deutschland und anderen EU-Staaten verwertet – der mit Abstand größte Teil. Der Export in Länder außerhalb der EU beschränkt sich auf die Länder Türkei, Schweiz, Serbien, der Anteil beträgt lediglich knapp 3 Prozent*. Unabhängig davon, wo Verpackungen aus der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack sortiert und verwertet werden, müssen sich Anlagenbetreiber nach deutschen Richtlinien zertifizieren lassen und festgeschriebene Standards beim Recycling einhalten.
Quellen:
*Öko-Institut e.V. (2016): Recycling ist Zukunft – ökologische Leistungen und Potenziale des dualen Systems